Fast alle Ratgeber zur Unterwasserfotografie gehen stillschweigend davon aus, dass man in 28 Grad warmem, saphirblauem Tropenwasser auf den Malediven oder in Ägypten taucht. Doch die Realität für zehntausende Taucher in Deutschland, Österreich und der Schweiz sieht am Wochenende ganz anders aus: Es geht in den heimischen Baggersee, in den Kreidesee Hemmoor, in die Steinbrüche von Messinghausen oder Horka, in den Bodensee oder in kristallklare Alpen-Bergseen wie den Attersee, Walchensee oder Grünen See. Dort herrschen 6 bis 16 Grad Wassertemperatur, das Wasser leuchtet durch Phytoplankton smaragdgrün statt blau, ab 8 Metern wartet eine eiskalte Sprungschicht – und an den Händen stecken dicke 5-Millimeter-Neopren- oder Trockentauchhandschuhe. Wir zeigen dir, wie du genau unter diesen Bedingungen faszinierende Süßwasser-Aufnahmen von Hechten, Flussbarschen, Stören und versunkenen Wäldern machst.
Physik im Baggersee: Warum ein Rotfilter im grünen Wasser alles verschlimmert
In tropischem Salzwasser gibt es kaum Schwebalgen – dort schluckt das reine Wassermolekül zuerst das rote Licht, sodass das Wasser blau erscheint. In unseren mitteleuropäischen Süßwasserseen (sowie in der Ostsee, Nordsee und im Atlantik) schweben hingegen Millionen mikroskopisch kleiner Grünalgen (Phytoplankton) und gelöste Huminstoffe im Wasser. Dieses Chlorophyll reflektiert grünes Licht stark und absorbiert gleichzeitig sowohl das rote als auch das blaue Ende des Spektrums.
Wenn du in einem solchen grünen See einen normalen roten Tauchfilter vor deine GoPro oder Kompaktkamera steckst, addiert sich das Rot des Filters mit dem Grün des Wassers zu einem trüben, schmutzigen Senfgelb bis Matschbraun! Um einen Grünstich optisch zu neutralisieren, benötigt man die Komplementärfarbe auf dem Farbkreis – und die gegenüberliegende Farbe von Grün ist Magenta (Purpur-Rosa):
- Bei Farbfiltern (3 bis 12 Meter Tiefe ohne Lampe): Verwende in heimischen Seen und in der Ostsee ausschließlich einen Magentafilter (oft mit „Freshwater / Green Water“ beschriftet). Er dämpft den dominanten Grünkanal und hebt Rot und Blau gleichermaßen an, sodass das Wasser einen natürlichen, klaren Farbton erhält.
- Beim manuellen Weißabgleich & in Lightroom: Ziehe im Weißabgleich-Menü nicht nur die Temperatur Richtung Warm, sondern vor allem den zweiten Regler „Tonung / Tint“ kräftig in Richtung Magenta (+)!
Die besten Motive im See finden: Warum 3 Meter Tiefe oft spannender sind als 30 Meter
Viele Taucher machen im heimischen See denselben Fehler: Sie tauchen nach dem Einstieg sofort auf 20 oder 25 Meter Tiefe unter die Sprungschicht (Thermokline) ab. Dort unten ist es zwar oft klarer, aber auch stockdunkel (4 bis 6 Grad kalt) und biologisch fast leer – außer Schlammboden gibt es dort kaum Fotomotive.
Die spektakulärsten Süßwasserfotos entstehen im Sommer und Frühherbst fast immer in den obersten 1,5 bis 6 Metern entlang der Uferkante:
- Kapitale Hechte im Schilfgürtel und über Krautwiesen: Der Hecht (Esox lucius) ist ein klassischer Lauerjäger, der regungslos im Schatten von Seerosenblättern, Schilfhalmen oder versunkenen Baumkronen steht. Wenn du langsam ausatmet, nicht mit den Flossen schlägst und dich von schräg unten im Zeitlupentempo näherst, lässt dich ein ein Meter langer Hecht oft bis auf 30 Zentimeter mit dem Weitwinkel-Domeport herankommen!
- Flussbarsch-Schwärme, Zander, Welse und Störe: An versunkenen Bäumen, alten Förderbändern oder den berühmten Rüttlern im Kreidesee Hemmoor stehen dichte Schulen gestreifter Flussbarsche. Fotografiere leicht von unten gegen die glitzernde Wasseroberfläche, durch die das grüne Blätterdach der Uferbäume hindurchscheint!
- Makro im Süßwasser: Auf Holzpfählen und Steinen sitzen Süßwasserpolypen (Hydra), Dreikantmuscheln, Köcherfliegenlarven, Edelkrebse und im Frühjahr imposante Laichbänder von Barschen und Kröten.
Kaltwasser-Ergonomie: Welche Kamera lässt sich mit 5-mm-Handschuhen bedienen?
Wer bei 7 Grad Wassertemperatur mit dicken 5-Millimeter-Fünffinger-Neoprenhandschuhen, Dreifinger-Halbtrockenhandschuhen oder gar Trockentauch-Ringsystemen taucht, hat kein Fingerspitzengefühl mehr für stecknadelkopfgroße Knöpfe. Unsere Praxis-Empfehlungen für Kaltwassertaucher:
- Bei Actioncams: Die DJI Osmo Action 5 Pro (und Action 4) im originalen 60-Meter-Tauchgehäuse. Dank des eingebauten Wasserdrucksensors der Action 5 Pro kannst du die Kamera sogar so einstellen, dass sie beim Abtauchen ab 1 Meter Tiefe vollautomatisch ohne jeden Tastendruck die Aufnahme startet! Zudem halten die kältefesten Extreme-Plus-Akkus von DJI selbst bei Temperaturen bis -20 Grad ohne Spannungseinbruch durch.
- Bei Kompakt-Tauchkameras: Die vollversiegelte SeaLife Micro 3.0 besitzt an der Oberseite drei riesige, weit auseinanderliegende „Klaviertasten“ (Piano Keys), die speziell für dicke Kaltwasser-Handschuhe konstruiert wurden. Bei der OM System Tough TG-7 verbessert das Unterwassergehäuse PT-059 mit seinem großen roten Auslösehebel die Bedienbarkeit mit Handschuhen erheblich.
- Bei Smartphone-Gehäusen: Das SeaLife SportDiver Ultra (mit großem Auslösehebel) oder die massiven Aluminiumgehäuse Kraken KRH08 / Weefine WFH07 und Mares Smart View 80.
Welche spezielle Beleuchtung sich für trübe Seen mit vielen Schwebstoffen eignet, liest du ausführlich im Spezialbeitrag Tauchlampe für Baggersee & Kaltwasser auf tauchlampe.xyz.
Das ideale Equipment für Baggersee, Bergsee & Kaltwasser
Praxiserprobtes Zubehör für scharfe, sichere und beschlagfreie Aufnahmen (* Affiliate-Links zu Amazon.de):
Magentafilter / Grünwasser-Tauchfilter Set (für GoPro & DJI)
Korrigiert den typischen Algen-Grünstich in Baggerseen, Alpenseen, Ostsee und Atlantik optisch schon bei der Aufnahme.
DJI Osmo Action Extreme Plus Akku (1.950 mAh)
Bricht auch in 5 Grad kaltem Wasser unter der Sprungschicht nicht ein – passend für Action 5 Pro, Action 4 und Action 3.
SeaLife Micro 3.0 (60m permanent versiegelt)
Keine O-Ringe, kein Beschlagen im kalten See und riesige Klaviertasten für dicke Trockentauchhandschuhe.
Anti-Beschlag-Einsätze (Anti-Fog Inserts, 24er-Pack, wiederverwendbar)
Verhindert zuverlässig, dass das im warmen Auto geschlossene Kameragehäuse im 8 Grad kalten See von innen beschlägt.
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