Kaum ein Bewohner der offenen Ozeane verkörpert Eleganz unter Wasser so rein wie der Blauhai (Prionace glauca). Mit seinem schlanken, torpedoförmigen Körper, der lang ausgezogenen Schnauze, den großen, weiß umrandeten Augen und den wie Tragflächen abstehenden langen Brustflossen gleitet dieser Hochseehai scheinbar mühelos durch das tiefe Blau des Atlantiks und Pazifiks. Für Unterwasserfotografen bietet vor allem eine europäische Inselgruppe im Sommer zuverlässige Begegnungen auf Augenhöhe: die Azoren rund um Pico und Faial.
Biologie & Erkennungsmerkmale des Blauhais
Seinen Namen verdankt der bis zu 3,8 Meter lange (meist zwischen 1,8 und 2,5 Meter anzutreffende) Hochseejäger seiner außergewöhnlichen Färbung: Die Oberseite leuchtet im einfallenden Sonnenlicht in einem metallisch glänzenden, tiefen Indigo- und Kobaltblau, das an den Flanken in ein helles Azurblau und am Bauch in reines Weiß übergeht. Diese sogenannte Konterschattierung (Countershading) dient im offenen Ozean als perfekte Tarnung: Von oben verschmilzt der Hai mit der dunklen Tiefe, von unten mit der hellen Wasseroberfläche.
Wo und wie man Blauhaie unter Wasser fotografiert
Da Blauhaie reine Pelagial-Bewohner sind, trifft man sie nicht am flachen Korallenriff, sondern an unterseeischen Seebergen (Seamounts) wie der Condor Bank vor den Azoren, vor Südafrika (False Bay / Cape Point) oder vor Kalifornien und Mexiko. Getaucht wird im freien Blauwasser auf fünf bis fünfzehn Metern Tiefe an einer gedrifteten Bojenleine.
- Charakter vor der Kamera: Blauhaie sind ausgeprägt neugierig und verlassen sich bei der Nahrungssuche im weiten Ozean stark auf ihren Geruchssinn und ihre elektrorezeptiven Lorenzinischen Ampullen an der Schnauzenspitze. Elektrische Felder von Kameras und Blitzen ziehen sie oft bis auf wenige Zentimeter an den Domeport heran.
- Kamera- & Belichtungstipp: Weil um dich herum nur tiefblaues Wasser ohne Meeresboden ist, neigt die Belichtungsautomatik der Kamera dazu, den weißen Bauch des Hais im Sonnenlicht zu überstrahlen. Stelle eine Belichtungskorrektur von -0,3 bis -0,7 EV ein und nutze zwei seitlich gerichtete Blitze oder ein starkes Unterwasser-Videolicht auf halber Leistungsstufe, um das metallische Kobaltblau der Flanken zum Leuchten zu bringen.