Wenn ein ausgewachsener, vier bis viereinhalb Meter langer Tigerhai (Galeocerdo cuvier) mit seinem breiten, kantigen Kopf und den dunklen vertikalen Streifen auf den Flanken langsam über den schneeweißen Sandboden gleitet, spürt jeder Unterwasserfotograf sofort den Respekt vor einem der größten Spitzenprädatoren der Ozeane. Trotz seines Rufs als gefürchteter „Allesfresser der Meere“ haben die letzten zwei Jahrzehnte an spezialisierten Tauchplätzen wie der Tiger Beach auf den Bahamas und der Insel Fuvahmulah im Süden der Malediven gezeigt, dass sich Tigerhaie unter klaren Sicherheitsregeln aus nächster Nähe ohne Käfig fotografieren lassen.
Warum der Tigerhai als opportunistischer Jäger gilt
Im Gegensatz zu Nahrungsspezialisten wie dem Fuchshai verfügt der Tigerhai über ein extrem kraftvolles Kiefergebiss mit schräg gestellten, sägezahnartig gezackten Zähnen, die selbst den harten Panzer ausgewachsener Meeresschildkröten mühelos knacken können. Da er bei der Jagd in Küstennähe und an Atollkanten nahezu jede Beute nutzt – von Knochenfischen, Rochen und kleineren Haien über Seevögel bis zu Aas –, verschluckt er gelegentlich auch treibende Gegenstände. Seinen Namen verdankt er der kräftigen dunklen Tigerstreifung bei Jungtieren, die mit zunehmendem Alter bei großen Tieren langsam verblasst.
Fotopraxis an der Tiger Beach & vor Fuvahmulah
- Ständiger Blickkontakt (Eye Contact): Tigerhaie sind klassische Überraschungsjäger, die sich bevorzugt von hinten oder aus dem toten Winkel annähern. Sobald ein Tigerhai merkt, dass ein Taucher ihn ruhig ansieht und ihm das Kameragehäuse entgegenhält, dreht er in aller Regel ruhig ab. Verliere beim Blick auf dein Kameradisplay niemals die Übersicht über deine Umgebung!
- Großes Kameragehäuse als Sicherheitsabstand: Ein ausgewachsenes Unterwassergehäuse mit zwei ausgeklappten Blitz- oder Videolicht-Armen dient beim Tigerhai-Tauchen gleichzeitig als physischer Abstandhalter zwischen dir und der Schnauze des neugierigen Tieres.
- Lichtführung über weißem Sandboden: An der flachen Tiger Beach (nur 6 bis 8 Meter Tiefe) reflektiert der helle Korallensand das Sonnenlicht wie ein riesiger Studio-Aufheller von unten gegen den Bauch des Hais – ideale Bedingungen für Weitwinkel-Aufnahmen mit niedriger ISO-Empfindlichkeit.