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Schwebeteilchen (Backscatter) vermeiden: Die richtige Blitz- und Videolampen-Positionierung

Schneegestöber auf Unterwasserfotos und Videos verhindern: Wie Backscatter physikalisch entsteht und wie du Blitze und Videolampen über Kugelarme im 10-und-2-Uhr-Winkel richtig ausrichtest.

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Farbverlust-Rechner unter Wasser: Ziehe den Regler von 0 m bis 40 m Tiefe

Bewege den Tiefenregler und beobachte live, wie die Wassermoleküle zuerst Rot, dann Orange und Gelb verschlucken – und welche Kamera- oder Lichtlösung du in genau dieser Tiefe brauchst:

0 m (Oberfläche) 5 m (Schnorcheln) 10 m 20 m (OWD) 30 m (AOWD) 40 m (Sporttauchgrenze)
Rot (650 nm)
15 %
Orange (600 nm)
35 %
Gelb (580 nm)
55 %
Grün (530 nm)
75 %
Blau (460 nm)
90 %

Du tauchst durch scheinbar glasklares Wasser, fotografierst eine Schildkröte mit Blitz oder schaltest deine neue Videolampe an der Actioncam ein – und zu Hause auf dem Monitor sieht das Bild aus, als hätte es unter Wasser heftig geschneit: Hunderte helle, unscharfe weiße Punkte und Flecken überziehen das gesamte Foto. In der Unterwasserfotografie nennt man dieses gefürchtete Phänomen Backscatter (Rückstreuung an Schwebeteilchen). Die gute Nachricht: Backscatter entsteht fast nie durch „zu schmutziges Wasser“, sondern durch einen geometrischen Fehler bei der Positionierung der Lichtquelle. Wir zeigen dir, wie du deine Blitze und Videolampen so ausrichtest, dass das Wasser vor deiner Linse selbst im trüben See kristallklar bleibt.

Kurz gesagt
Die eiserne Geometrie-Regel gegen Backscatter: Montiere eine Tauchlampe oder einen Blitz niemals direkt auf dem Blitzschuh (Cold Shoe) unmittelbar neben dem Kameraobjektiv! Genau wie beim Einschalten des Fernlichts im Auto bei dichtem Nebel strahlst du damit sämtliche Plankton- und Sandpartikel in den ersten 30 Zentimetern direkt vor der Linse frontal an. Die Lösung: Setze die Lichtquellen über seitliche Kugelarme (mindestens 30 bis 50 cm Abstand zur Linse) nach außen und drehe sie leicht vom Objektiv weg (Kantenbeleuchtung / Edge Lighting).
Taucher leuchtet unter Wasser mit seitlich geführten Lampen ohne Rückstreuung
Saubere Lichtkante statt Schneegestöber: Nur wenn der Lichtkegel erst auf Höhe des Motivs auf den Sichtkegel des Objektivs trifft, bleibt die Wassersäule unmittelbar vor dem Kameraport dunkel und klar.

Die Physik hinter dem Schneegestöber: Warum der interne Kamerablitz der größte Feind ist

Selbst im saubersten tropischen Ozean mit 40 Metern Sichtweite schweben in jedem Kubikdezimeter Wasser tausende mikroskopisch kleine Partikel: Plankton, Ruderfußkrebse, feinste Kalksandkörnchen und organische Schwebstoffe. Solange nur das natürliche Sonnenlicht senkrecht von der Wasseroberfläche einfällt, fallen diese winzigen Teilchen überhaupt nicht auf.

Sobald du jedoch den kamerainternen Blitz einer Kompaktkamera einschaltest oder eine Videolampe direkt oben auf den Käfig deiner GoPro oder DJI schraubst (eine Anordnung, die wir auch im Grundlagenbeitrag GoPro unterwasser: warum die Aufnahmen milchig werden auf tauchlampe.xyz analysiert haben), passiert eine optische Katastrophe: Da die Lichtquelle nur 3 bis 5 Zentimeter neben dem Objektiv sitzt, durchstrahlt der extrem helle Lichtkegel exakt die ersten 20 Zentimeter Wasser direkt vor deiner Frontlinse. Da Licht unter Wasser mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt, bekommt ein Staubkorn in 10 Zentimetern Abstand vor der Linse hundertmal mehr Licht ab als der Fisch in 1 Meter Entfernung – und reflektiert dieses Licht wie ein kleiner Spiegel direkt zurück ins Objektiv!

Die Lösung in 3 Schritten: Kantenbeleuchtung (Edge Lighting)

Um Schwebeteilchen unsichtbar zu machen, musst du dafür sorgen, dass die Wassersäule zwischen deinem Kameraport und dem Fisch überhaupt kein direktes Kunstlicht abbekommt. Das erreichst du mit diesem dreistufigen Aufbau an deiner Zwei-Hand-Kameraschiene (Tray):

1. Abstand schaffen über Kugelarme (mindestens 30 bis 50 cm seitlich)

Befestige an den beiden Handgriffen deiner Kameraschiene je einen Gelenk- oder Kugelarm (z. B. ein Segment mit 15 bis 25 cm Länge plus zwei Schmetterlingsklemmen). Positioniere die beiden Blitze oder Videolampen für normale Riff- und Weitwinkelaufnahmen in der 9-Uhr- und 3-Uhr-Position (oder leicht erhöht auf 10 Uhr und 2 Uhr) weit links und rechts neben dem Gehäuse.

2. Blitze und Lampen hinter die Gehäuseebene zurückziehen

Ein häufiger Anfängerfehler: Die Arme werden weit nach vorn in Richtung Fisch geschoben. Dadurch leuchten die Lampen erst recht seitlich in das Wasser direkt vor dem Domeport hinein! Ziehe die Lampenköpfe stattdessen auf Höhe der hinteren Gehäuserückwand (oder auf Höhe der Handgriffe) zurück. So schattet das Kameragehäuse selbst bereits einen Teil des Nahbereichs ab.

3. Nach außen drehen: Mit dem weichen Rand des Lichtkegels beleuchten!

Das ist der wichtigste Profi-Trick überhaupt: Richte deine beiden Blitze oder breit abstrahlenden Videolampen (100 bis 120 Grad Abstrahlwinkel) niemals direkt nach innen auf den Fisch! Richte sie stattdessen geradeaus parallel zur Kameraachse – oder in trübem Wasser sogar um 10 bis 15 Grad leicht nach außen vom Motiv weg.

Warum funktioniert das? Ein moderner Unterwasserblitz oder eine Flutlichtlampe wie die Wurkkos DL30, die Wurkkos DL40 oder die Scubapro Nova 720 Wide hat einen Abstrahlwinkel von 80 bis 120 Grad. Wenn beide Lampen geradeaus zeigen, berühren sich nur die inneren, weichen Ränder (Edges) der beiden Lichtkegel exakt in einem Meter Entfernung auf dem Fisch – während vor der Kamera ein dunkles, unbeleuchtetes Dreieck („Totzone für Schwebeteilchen“) entsteht!

Wann darf der interne Blitz einer Tough TG-7 trotzdem blitzen?

Es gibt zwei Ausnahmen, in denen der kleine eingebaute Blitz einer Kompaktkamera wie der OM System Tough TG-7 genutzt wird:

  • Im extremen 1- bis 5-cm-Makrobereich: Wenn zwischen Linse und Nacktschnecke nur noch 2 Zentimeter Wasser liegen, gibt es dazwischen kaum Schwebeteilchen – insbesondere, wenn das Licht über den Ringlicht-Aufsatz LG-1 oder FD-1 weich um die Linse geführt wird.
  • Als optischer Auslöser (Lichtleiterkabel) für externe Blitze: Im Unterwassergehäuse PT-059 deckt ein schwarzer Kunststoffeinschub den internen Blitz nach vorn zum Wasser hin komplett ab, leitet den Lichtimpuls aber über ein dünnes Glasfaserkabel (LWL-Kabel) an den externen Amphibienblitz am Kugelarm weiter. So zündet der interne Blitz den großen Außenblitz, ohne selbst ein einziges Staubkorn vor der Linse anzustrahlen!

Das perfekte Schienen- & Arm-System gegen Schwebeteilchen

Praxiserprobtes Zubehör für scharfe, sichere und beschlagfreie Aufnahmen (* Affiliate-Links zu Amazon.de):

Basis für jede Kamera

Zwei-Hand-Kameraschiene (Aluminium Dual-Tray mit 1-Zoll-Kugeln)

Verbindet Actioncam-, Kompakt- oder Smartphone-Gehäuse mit zwei seitlichen Kugelköpfen für Lampenarme.

Abstand für die Lampe

1-Zoll-Aluminium-Kugelarme & Schmetterlingsklemmen (2er-Set)

Bringt deine Videolampen oder Blitze 30–40 cm weit weg vom Objektiv in die 10-und-2-Uhr-Position.

Flexible Alternative

Flexarm mit YS- und 1-Zoll-Anschluss für Unterwasserlampen

Lässt sich unter Wasser mit einem Handgriff in jede gewünschte Position biegen.

Im Nachhinein retten

Unterwasser-Graukarte & Referenztafel

Sorgt für saubere Farben, falls bereits entstandener Backscatter später in Lightroom wegretuschiert wird.

Falls sich auf älteren Urlaubsfotos doch schon weiße Schwebeteilchen eingeschlichen haben, zeigen wir dir in unserer Lightroom- & Photoshop-Anleitung unter Schritt 4 den 30-Sekunden-Ebenen-Trick, mit dem du hunderte Punkte auf einmal entfernst.

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→ Passende Tests & weiterführende Praxis-Ratgeber

? Häufige Fragen zur Unterwasserfotografie

Warum habe ich mit meiner normalen Tauchlampe beim Filmen immer einen grellen weißen Punkt in der Mitte? ↓

Weil eine klassische Tauchlampe einen eng gebündelten Spot-Reflektor (6 bis 15 Grad Abstrahlwinkel) besitzt, um weit ins Dunkle zu leuchten. Eine Weitwinkel-Kamera erfasst unter Wasser jedoch 90 bis 130 Grad Bildwinkel. Für Fotos und Videos benötigst du zwingend eine breit strahlende Videolampe ohne Spot-Reflektor (mindestens 80 bis 120 Grad Abstrahlwinkel) oder setzt einen milchigen Diffusor vor die Lampe.

Reicht eine einzelne Videolampe auf einem seitlichen Arm aus oder braucht man immer zwei? ↓

Für den Einstieg und für den Nahbereich bis 1 Meter liefert bereits eine einzelne starke Videolampe an einem 30-cm-Arm (schräg von links oben auf 10-Uhr-Position geführt) hervorragende, plastische Ergebnisse ohne Backscatter. Zwei symmetrische Lampen (links und rechts) sind vor allem bei großen Weitwinkelmotiwen ab 1,5 Metern Breite im Vorteil, um Schlagschatten auf der abgewandten Seite auszugleichen.

Was bewirkt ein Diffusor vor einem Unterwasserblitz? ↓

Eine milchig-weiße Diffusorscheibe vor dem Blitz schluckt zwar etwa eine halbe bis eine Blendenstufe Lichtleistung, verbreitert den Ausleuchtungswinkel aber von z. B. 90 auf 110 Grad und macht das Licht wesentlich weicher. Dadurch verschwinden harte Lichtkanten im blauen Wasser und Fischschuppen brennen viel seltener weiß aus.

Wie stelle ich meine Blitze im extrem trüben Baggersee ein? ↓

Je trüber das Wasser ist, desto näher musst du an dein Motiv heran (unter 50 cm) und desto weiter musst du die Arme nach außen spreizen und die Lampenköpfe nach außen wegdrehen. In sehr trübem Wasser ist es oft besser, die Blitze komplett auszuschalten oder ein reines Makromotiv im 5-Zentimeter-Abstand zu wählen.