Es gibt Situationen unter Wasser, in denen man keine Kamera in der Hand halten kann oder will: beim Tarieren in starker Strömung, beim Setzen der Sicherheitsboje, beim Fotografieren mit einer großen Systemkamera im Unterwassergehäuse, beim Höhlentauchen oder beim stromlinienförmigen Apnoetauchen (Freediving). Genau in diese Nische stößt die Insta360 GO 3S. Das daumengroße Kameramodul wiegt gerade einmal 39 Gramm, nimmt seit dem Upgrade auf das „S“-Modell in echtem 4K mit 30 Bildern pro Sekunde auf und lässt sich mit ihrem 60-Meter-Tauchgehäuse an der Tauchmaske, am Handgelenk oder direkt oben auf dem Blitzarm eines großen Kamerarigs befestigen.
Das modulare Prinzip verstehen: Kamerapille vs. Action Pod unter Wasser
Wer die Insta360 GO 3S zum ersten Mal in der Hand hält, muss eine lebenswichtige Unterscheidung für den Wassereinsatz verinnerlichen. Das System besteht aus zwei Teilen:
- 1. Die magnetische „Kamerapille“ (GO 3S Einzelkamera, 39 g): In diesem daumengroßen, weißen oder schwarzen Röhrchen stecken Objektiv, 4K-Sensor, interner Speicher (64 GB oder 128 GB), Gyroskop und ein kleiner eigener Akku. Solange der mitgelieferte Objektivschutz fest aufgeschraubt ist, ist dieses Einzelmodul bis 10 Meter Tiefe nach IPX8 wasserdicht.
- 2. Der Action Pod (Basisstation mit Klappdisplay): In dieses Gehäuse wird die kleine Kamera zum Laden, zur Vorschau und für längere Landaufnahmen eingeklickt. Wichtig: Der Action Pod ist nur nach IPX4 spritzwassergeschützt und darf niemals mit unter Wasser genommen werden! Vor dem Sprung ins Wasser nimmst du die kleine Kamerapille aus dem Action Pod heraus und lässt den Action Pod trocken in der Tauchtasche auf dem Boot.
Für das Gerätetauchen bis 60 Meter legst du ausschließlich die kleine 39-Gramm-Kamerapille in das transparente Insta360 GO 3 / GO 3S Tauchgehäuse (Dive Case) ein. Selbst inklusive dieses druckfesten 60-Meter-Gehäuses ist das gesamte Paket kaum größer als eine Streichholzschachtel und erzeugt im Vergleich zu einer ausgewachsenen GoPro oder DJI an der Tauchmaske nahezu keinen Wasserwiderstand.
Insta360 GO 3S (64 GB / 128 GB)
Technische Eckdaten
- Gewicht Kameramodul: nur 39,1 Gramm (ohne Action Pod)
- Videoauflösung: 4K (3.840 x 2.160) mit 30 fps / 2,7K mit 50 fps / 1080p mit 120 fps
- Interner Speicher: 64 GB oder 128 GB fest verbaut (keine lose microSD-Karte)
- Wasserdichtigkeit nackt: Kameramodul bis 10 m (IPX8) / Action Pod nur Spritzwasser (IPX4!)
- Tauchtiefe mit Gehäuse: 60 m (Original Insta360 GO 3/3S Dive Case für das Kameramodul)
- Akkulaufzeit Einzelmodul: ca. 38 Minuten am Stück (im Action Pod an Land wiederaufladbar)
Stärken unter Wasser
- + Ultraleichte 39 Gramm: Zieht beim Schnorcheln oder Freitauchen nicht am Maskenband
- + Echtes 4K-Upgrade gegenüber der alten GO 3 (die nur 2,7K schaffte) mit doppelt so vielen Pixeln
- + Neuer MegaView-Sichtfeldmodus reduziert Verzerrungen an den Wasserrändern deutlich
- + Perfekt als Cold-Shoe-Begleitkamera oben auf einem großen Unterwasser-Kameragehäuse
Einschränkungen
- - Akkulaufzeit des Einzelmoduls unter Wasser auf ca. 35–38 Minuten reine Aufnahmezeit begrenzt
- - Im Tauchgehäuse kein Display zur Bildkontrolle (reine Point-and-Shoot-Weitwinkelkamera)
- - Kleinerer Sensor als bei der Ace Pro 2 oder Action 5 Pro – benötigt im Tiefen gutes Licht
Drei geniale Einsatzgebiete der Insta360 GO 3S beim Tauchen
Die Insta360 GO 3S will keine große 1/1,3-Zoll-Hauptkamera ersetzen – sie glänzt überall dort, wo eine normale Actioncam zu schwer oder unhandlich ist:
- An der Tauchmaske oder am Kopfband beim Schnorcheln & Apnoetauchen: Eine 150 Gramm schwere GoPro am Maskenband zieht bei jeder Kopfbewegung an der Silikondichtlippe und sorgt dafür, dass Wasser in die Maske läuft. Die 39 Gramm leichte GO 3S spürt man am Kopf überhaupt nicht. Dank der exzellenten FlowState-Stabilisierung werden selbst schnelle Schwimmbewegungen ruhig ausgeglichen.
- Oben auf dem Blitzschuh (Cold Shoe) eines großen Unterwassergehäuses: Wer mit einer OM System Tough TG-7 oder einer Systemkamera im Makrobereich fotografiert, verpasst oft den großen Mantarochen oder Adlerrochen, der plötzlich im Hintergrund vorbeizieht, oder möchte dokumentieren, wie das eigene Makrofoto entsteht. Auf einer kleinen Kugelkopf-Klemme oben auf dem Hauptgehäuse läuft die GO 3S im 60-Meter-Dive-Case einfach nebenher mit.
- Am Handrücken für Tauchlehrer und Divemaster: Tauchlehrer, die unter Wasser beide Hände für ihre Schüler, für Übungen oder für die Boje frei halten müssen, tragen die GO 3S im Tauchgehäuse auf einer Klett-Handgelenkshalterung wie einen zweiten Tauchcomputer. Ein Druck auf die Vorderseite der Kamerapille (QuickCapture) startet die Aufnahme mit deutlichem Vibrationsfeedback, ein zweiter Druck stoppt sie wieder.
Wie überbrückt man die 38 Minuten Akkulaufzeit bei einem 60-Minuten-Tauchgang?
Auf den ersten Blick klingen 38 Minuten Akkulaufzeit für die kleine Kamerapille knapp, wenn ein typischer Sporttauchgang 45 bis 60 Minuten dauert. Das Geheimnis liegt im QuickCapture-Intervallbetrieb: Niemand filmt 60 Minuten ununterbrochen blaues Wasser. Wenn du die Kamera über die große Fronttaste immer nur für die spannenden 30- bis 90-Sekunden-Sequenzen einschaltest (Schildkröte, Wrackdurchgang, Fischschwarm), schaltet sich die GO 3S nach dem Stoppen sofort wieder komplett aus und verbraucht im Standby keinen Strom. So kommst du mit den 38 Minuten reiner Netto-Filmzeit problemlos über zwei komplette Tauchgänge – und in der Oberflächenpause auf dem Boot lädst du die Pille im trockenen Action Pod in nur 23 Minuten wieder von 0 auf 80 Prozent auf.
Wie die ultraleichte GO 3S im Vergleich zu den großen 1/1,3-Zoll-Kameras abschneidet, siehst du in unserer Action-Cam Unterwasser Vergleichstabelle 2026.