Während GoPro und DJI beim klassischen Dual-Screen-Gehäuse mit kleinem Frontdisplay bleiben, schlägt Insta360 mit der Insta360 Ace Pro 2 (und dem günstigeren Schwestermodell Ace Pro) einen anderen Weg ein: Ein großes, um 180 Grad nach oben klappbares 2,5-Zoll-Flip-Display trifft auf ein gemeinsam mit Leica entwickeltes Summarit-Weitwinkelobjektiv, einen lichtstarken 1/1,3-Zoll-Sensor und einen dedizierten KI-Bildprozessor für den PureVideo-Schwachlichtmodus. Wir haben geprüft, wie sich dieses Konzept im 60-Meter-Tauchgehäuse schlägt – und für welche Taucher das Klappdisplay unter Wasser ein echter Segen ist.
Das Klappdisplay unter Wasser: Genialer Winkelsucher oder mechanischer Nachteil?
Jeder Unterwasserfilmer kennt das Problem: Um einen Anglerfisch, eine Nacktschnecke oder einen Grundel-Partnerkrebs auf Augenhöhe zu filmen, muss die Kamera ganz flach auf den Meeresboden abgesenkt werden. Bei einer herkömmlichen Actioncam mit starrem Rückdisplay müsstest du dich dafür flach mit der Maske in den Sand oder – noch schlimmer – in empfindliches Riffgestein legen, um überhaupt zu erkennen, was du gerade filmst.
Bei der Insta360 Ace Pro 2 lässt sich das riesige 2,5-Zoll-Display im 90-Grad-Winkel wie ein klassischer Schachtsucher nach oben oder im 180-Grad-Winkel komplett nach vorn für Selbstaufnahmen aufklappen. Aber Achtung beim Kauf des Tauchgehäuses: Es gibt für die Ace Pro und Ace Pro 2 zwei unterschiedliche Gehäuse-Bauformen auf dem Markt:
- Das originale Insta360 60m-Standard-Tauchgehäuse: Hier wird die Kamera mit eingeklapptem Display eingelegt. Das Gehäuse ist dadurch kompakt wie bei einer GoPro oder DJI, erlaubt unter Wasser aber kein Aufklappen des Bildschirms mehr.
- Spezielle Flip-Screen-Tauchgehäuse (für aufgeklappten Bildschirm): Diese Gehäuse besitzen nach oben hin eine zweite transparente Kammer, sodass die Kamera mit im 90- oder 180-Grad-Winkel aufgeklapptem Display eingesetzt werden kann. Damit gewinnst du unter Wasser einen riesigen Front- bzw. Winkelsucher.
Insta360 Ace Pro 2 (8K Leica Action-Cam)
Technische Eckdaten
- Sensor & Optik: 1/1,3 Zoll 8K-CMOS + Leica Summarit Objektiv (f/2.6, 157° FOV)
- Videoauflösung: 8K mit 30 fps / 4K mit 120 fps / 4K60 Active HDR
- Low-Light-Modus: PureVideo (Dual-AI-Chip Rauschunterdrückung in Echtzeit bis 4K60)
- Wasserdichtigkeit nackt: 12 m (Ace Pro 2) bzw. 10 m (Ace Pro 1)
- Tauchtiefe mit Gehäuse: 60 m (Original Insta360 Dive Case)
- Farbtiefe & Profil: I-Log Farbprofil + AquaVision 2.0 Unterwasser-Farbkorrektur
Stärken unter Wasser
- + Hervorragende Schärfe und Mikrokontraste durch die Leica-Summarit-Glasoptik
- + PureVideo-Modus holt bei Wrack-, Höhlen- und Nachttauchgängen erstaunlich saubere Bilder aus dem Dunkel
- + Verlustfreier 2-fach-Clarity-Zoom (4K-Ausschnitt aus dem 8K-Sensor) ideal für scheue Rifffische
- + Magnetisches Schnellwechselsystem und zuverlässiger Unterwasser-Touchscreen-Sperrmodus
Einschränkungen
- - Etwas schwerer und voluminöser als DJI Osmo Action 5 Pro und GoPro Hero 13
- - Im Standard-Tauchgehäuse muss das Klappdisplay eingeklappt bleiben
- - 8K-Aufnahmemodus unter Wasser nur bei bestem Sonnenlicht im Flachwasser sinnvoll
Der 2-fach Clarity-Zoom: Warum der 8K-Sensor unter Wasser im 4K-Modus glänzt
Unter Wasser braucht kaum jemand eine finale 8K-Videodatei mit 30 Bildern pro Sekunde. Der wahre Nutzen des hochauflösenden 8K-Sensors der Insta360 Ace Pro 2 liegt in einer anderen Funktion: dem 2-fach Clarity-Zoom. Während herkömmliche Actioncams beim digitalen Zoomen einfach das 4K-Bild beschneiden und hochrechnen (wodurch das Bild sofort matschig wird), schneidet die Ace Pro 2 beim Antippen der Zoom-Taste die mittleren 3.840 x 2.160 Pixel nativ aus dem 8K-Sensor aus.
Für Taucher ist das Gold wert: Mit ihrem extrem weiten 157-Grad-Leica-Objektiv bildet die Kamera im Standardmodus zwar große Wracks oder Walhaie wunderbar ab, doch kleinere Motive wie ein Rotfeuerfisch, eine Muräne oder ein Oktopus wirken schon aus einem Meter Entfernung winzig. Da du vielen Meerestieren nicht auf 15 Zentimeter auf die Pelle rücken darfst (oder solltest), schaltest du im 4K60-Modus einfach per Tastendruck in den 2-fach Clarity-Zoom und erhältst eine doppelt so nahe Brennweite ohne sichtbaren Schärfeverlust.
PureVideo beim Nachttauchen und in dunklen Wracks
In der Insta360 Ace Pro 2 arbeiten erstmals zwei separate Chips: ein klassischer Bildprozessor und ein eigener 5-nm-KI-Chip. Im Modus PureVideo (bei der Ace Pro 2 jetzt bis zu 4K mit 60 fps verfügbar) analysiert das neuronale Netz jedes einzelne Einzelbild in Echtzeit, trennt Sensorrauschen von echten Strukturen an Korallen oder Schiffsplanken und hebt den Dynamikumfang in den Schatten an.
Kombiniert man den PureVideo-Modus bei einem Nachttauchgang oder im Inneren eines Wracks mit einer homogenen Videolampe wie der Wurkkos DL30 oder der Scubapro Nova 720 Wide, verschwindet das typische bunte Kriseln in den dunklen Bildecken fast vollständig. Wichtig: Schalte bei Kunstlicht im PureVideo-Modus die elektronische Stabilisierung auf „Standard“ statt „Hoch“ und wähle mindestens 60 fps, damit die Kamera kurze Belichtungszeiten wählt und kein Bewegungsflimmern (Ghosting) an den Lichtkanten entsteht.
Insta360 Ace Pro 2 vs. Ace Pro (Generation 1): Lohnt sich der Aufpreis?
Auf Amazon wird das Vorgängermodell Insta360 Ace Pro (1. Generation) häufig für rund 100 Euro weniger abverkauft. Beide Kameras nutzen einen 1/1,3-Zoll-Sensor und das Leica-Objektiv. Die Ace Pro 2 bietet jedoch drei für Taucher spürbare Verbesserungen: Die nackte Wasserdichtigkeit stieg von 10 auf 12 Meter, das neue Farbprofil I-Log bietet deutlich mehr Spielraum beim nachträglichen Color-Grading als das alte Flat-Profil, und der PureVideo-Modus schafft nun flüssige 4K mit 60 fps statt nur 4K mit 30 fps. Wer im trüben heimischen See oder bei Nachttauchgängen mit 60 Bildern pro Sekunde filmen möchte, sollte zur Ace Pro 2 greifen.
Wie sich die Insta360 Ace Pro 2 im direkten Datenvergleich gegen die DJI Osmo Action 5 Pro und die GoPro Hero 13 Black schlägt, siehst du in unserer großen Actioncam-Unterwasser-Vergleichstabelle.