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Weißspitzen-Hochseehai – der gefährliche Jäger


Weißspitzen-Hochseehai von vorne
Weißspitzen-Hochseehaie gehören zu den größten Haien der Welt. Die aktiven Jäger sind Einzelgänger, die sich lediglich zur Jagd in kleinen Gruppen sammeln. Taucher können dem Raubfisch mit den weißen Spitzen an den Flossen sehr nah kommen. Der neugierige Hai ist allerdings mit viel Vorsicht zu genießen. Der Meeresforscher Jacques-Yves Cousteau bezeichnet den Weißspitzen-Hochseehai sogar als gefährlichste Haiart für den Menschen, denn an Aggressivität fehlt es den Raubfischen nicht.

 

Weißspitzen-Hochseehaie im Blick





Die weißen Spitzen an den Haiflossen gaben dem Weißspitzen-Hochseehaie seinen Namen. Vor allem bei Jungtieren sind die Spitzen gut ausgeprägt. Doch auch andere Kennzeichen machen die Haiart unverwechselbar:

  • Der lateinische Name des Weißspitzen Hochseehais heißt Carcharhinus longimanus.
  • Weißspitzen-Hochseehaie gehören zur Ordnung der Grundhaie und zur Familie der Requiemhaie.
  • Die Raubfische haben eine Länge von bis zu 390 cm. Die meisten Tiere erreichen aber nur eine Länge von etwas mehr als 300 cm. Das maximale Gewicht der Weißflossen Hochseehaie liegt bei fast 170 kg.
  • Die Weibchen sind etwas größer als die Männchen.
  • Weißspitzen-Hochseehaie haben den für Requiemhaie typischen spindelförmigen Körperbau.
  • Charakteristisch sind die langen Flossen, die an den Enden abgerundet sind. Das ist vor allem bei der Rückenflosse und den Brustflossen zu sehen. Die erste Rückenflosse beginnt dort, wo die Brustflosse endet. Die zweite Rückenflosse ist um vieles kleiner als die erste Flosse.
  • Die Bezeichnung „Longimanus“ bezieht sich auf die Brustflosse des Weißspitzen-Hochseehais. Übersetzt bedeutet es so viel wie „lange Hand“. Die Brustflosse ist im Gegensatz zu den Flossen anderer Haiarten flügelartig vergrößert.
  • Im Gegensatz zu anderen Haiarten besteht die Rückenflosse beim Weißspitzen-Hochseehaie aus einem sehr großen oberen Lappen und einem kleineren unteren Lappen.
  • Weißflossen Hochseehaie gibt es in verschiedenen Farbnuancen. Der Rücken der Tiere reicht von Grau-braun bis Bläulich oder Bronzefarben. Die Farbschattierungen können je nach Region variieren. Der Bauch ist Weiß bis Gelblich. Der Farbübergang zwischen Rücken und Bauch ist scharf begrenzt. Ebenfalls weiß sind die Unterseiten der Brustflossen. Die Flossen verfügen über weiße Spitzen, die dem Hai seinen Namen geben. Bei den Jungtieren sind die weißen Spitzen stärker ausgeprägt, bei älteren Tieren können sie fehlen. Die Flossen verfügen meist zusätzlich über weiße Flecken auf den Flossen.
  • Der Kopf ist lang und abgeflacht, das Maul kurz und breit.
  • Die Augen der Fische sind eher klein und verfügen über eine Nickhaut.
  • Es gibt kein Spitzloch und die Nasalgruben sind klein.
  • Wie alt Weißspitzen-Hochseehaie werden, ist bisher nicht bekannt.

Weißspitzen-Hochseehaie lieben es warm

Weißspitzen-Hochseehai von derSeite oben

Die Raubfische mit den weißen Flossen sind weltweit in allen tropischen, subtropischen und warm-gemäßigten Regionen der Hochsee anzutreffen. Weißspitzen-Hochseehaie fühlen sich bei Wassertemperaturen zwischen 18° und 28° Celsius wohl. Vom westlichen Atlantik der USA bis nach Argentinien bevölkern die Raubfische das Meer. Anzutreffen sind sie auch im Golf von Mexiko und der Karibik. Doch auch im Roten Meer, dem Indischen Ozean und im westlichen Pazifik sind Weißspitzen Hochseehaie zu finden. Gesehen wurden die Jäger auch schon im Zentralpazifik vor Hawaii und Tahiti sowie im östlichen Pazifik vor den Galapagosinseln.

Eher seltener sind die Weißspitzen-Hochseehaie im Mittelmeer zu finden. Hier kann man ihnen aber auf ihren Wanderschaften begegnen, wenn sie über die Straße von Gibraltar oder dem Suezkanal schwimmen. Und so kann es schon mal vorkommen, dass sie die Tiere verschwimmen. 1978 wurde zum Beispiel ein Weißspitzen-Hochseehai in den Kanälen von Venedig gefangen.

Lingimanus – Schwimmen, um zu leben

Eigentlich sind die Haie aber eher im Tiefseebereich anzutreffen und kommen nur selten an die Küsten. Ihr Lebensraum liegt im Freiwasser über Regionen mit Wassertiefen von bis zu 180 Metern und mehr. Sie sind an der Wasseroberfläche ebenso zu finden wie in Meerestiefen von 152 Metern. Nicht selten begleitet der Hai aber auch die Safariboote im Roten Meer. Der Weißspitzen-Hochseehai gehört zu den aktiven Haiarten. Er muss sich bewegen, um atmen und damit leben zu können. Der Raubfisch bedient sich der Durchströmungsatmung. Dabei wird das Maul beim Schwimmen geöffnet. Sauerstoffreiches Wasser strömt aus und wird über die Kiemen nach außen gedrückt. Der Sauerstoff wird dabei aus dem Wasser gefiltert. Verfangen sich die Tiere in Netze, sterben sie schon bald.

Weißspitzen-Hochseehaie gebären lebende Jungtiere

Weißspitzen-Hochseehai mit Schiffshalterfischen

Wie viele Haie gebären auch die Weißspitzen-Hochseehaie lebend. Nach einer Tragezeit von etwa 12 Monaten bringen die Weibchen ein bis 15 Jungtiere zur Welt. Je älter die Weibchen sind, desto mehr Jungtiere werden geboren. Für die Geburt ziehen die Haie in trübe Gewässer der küstennahen Regionen. Es wurde festgestellt, dass die Weißspitzen-Hochseehaie im westlichen Atlantik nur im Frühsommer ihre Jungen zur Welt bringen, während in anderen Regionen das ganze Jahr Wurfzeit ist.

Die jungen Haie haben eine Größe von circa 60 Zentimetern und besitzen am Anfang noch schwarze Flossenspitzen. Erst ab einer Größe von 120 Zentimetern werden die Spitzen weiß. Weißspitzen-Hochseehaie werden erst mit einer Größe von 175 bis 200 Zentimetern geschlechtsreif. Trotz der Mehrlingsgeburten ist die Vermehrungsrate relativ niedrig, da die Jungen nur langsam heranwachsen.

Weißspitzen-Hochseehaie sind sehr aktiv

Der Weißspitzen-Hochseehai ist zu jeder Tageszeit aktiv. Am Tag schwimmt er oft an der Wasseroberfläche. Oft ist er im entspannten Tempo auf dem Wasser anzutreffen. Dann breitet er seine Brustflosse weit aus. Meist sind die Tiere allein anzutreffen. Lediglich zur Jagd können Sie sich in kleinen oder großen Gruppen zusammenfinden. Die Gruppenbildung ist abhängig von Geschlecht und Größe der Tiere. Weißspitzen-Hochseehaie sind sehr ausdauernde Schwimmer und können beim Kampf um die Nahrung auch sehr aggressiv werden.

Weißspitzen-Hochseehai – Es wird gefressen, was das Meer zu bieten hat

Weißspitzen-Hochseehai knapp unter der Wasseroberfläche

Weißspitzen-Hochseehaie ernähren sich von fast allem, was auf den Meerestisch kommt. Vor allem Stachelmakrelen, Schwertfische, Thunfische, Barrakudas und Goldmakrelen gehören zur Nahrung. Aber auch viele andere mittelgroße und große Hochseefische. Doch auch beim Abfall ist der Weißflossen Hochseehai nicht wählerisch. Was von Schiff über Bord geht, landet im Magen der Riesen. Darunter befinden sich natürlich auch viele unverdauliche Dinge. Er sagt aber auch zu Kadaver nicht „Nein“.

Beim Jagen geht er forsch vorwärts. Beißend schwimmt er in Fischschwärme und nimmt alles mit, was er zwischen die Zähne bekommt. Weißspitzen-Hochseehaie wurden aber auch schon beobachtet, wie sie mit offenem Maul durch Schwärme von Thunfischen schwimmen. Bei der Auswahl seiner Beutetiere ist er nicht anspruchsvoll. Auf seinen Beutezügen nimmt er alles, was von der Größe her etwa passend ist. Die große Nahrungspalette ermöglicht der Haiart, mit allen Gegebenheiten zurechtzukommen. Dadurch wird er aber auch für Taucher gefährlich, die sich in seinem Gebiet aufhalten und als Beute erkannt werden. Gejagt wird einzeln oder in kleinen Gruppen. Vor allem jüngere Haie schließen sich lieber zusammen. In manchen Fällen tauchen die Weißspitzen-Hochseehaie auch mit anderen Haiarten wie Hammerhai oder Blauhai auf, vor allem dann, wenn es um größere Beutetiere geht. Weißspitzen-Hochseehaie gesellen sich aber auch zu Schulen von Grindwalen und profitieren von deren Jagd.

Der Weißspitzen-Hochseehai und der Mensch

Weißspitzen-Hochseehaie können dem Menschen sehr gefährlich werden. Nur der Umstand, dass der Lebensbereich der Raubfische fern ab der Küste liegt, ist es zu verdanken, dass es sehr relativ wenige Angriffe gibt. Allerdings wird immer wieder von Angriffen berichtet, bei denen Weißflossen Hochseehai und Taucher aufeinandertreffen.

Zu den einschneidest Berichten gehört der Untergang der „USS Indianapolis“ – einem Kriegsschiff, das Ende Juli 1945 auf dem Weg zu den Philippinen war. Am 30. Juli wurde das Kriegsschiff von einem japanischen U-Boot torpediert und sank mit 1199 Mann an Bord. Innerhalb von 12 Minuten sank das Schiff, sodass keine Zeit blieb, die Rettungsboote ins Wasser zu lassen. 900 Mann gelang die Flucht vom Schiff. Fast augenblicklich waren die Haie vor Ort. Es wurde angenommen, dass es sich dabei vor allem um Weißspitzen-Hochseehaie handelte. Mehrere Tage umkreisten die Haie die treibenden Menschen. In einer Nacht gingen die Haie zum Angriff über. Viele wurden vor den Augen ihrer Kameraden gefressen. Als Rettung am 08. August 1945 eintraf, waren nur noch 316 Mann am Leben. Natürlich muss man sich bewusst machen, dass die Männer ein gefundenes Fressen für die Haie waren.

Schon wegen seiner Größe ist der Weißspitzen-Hochseehai eine Gefahr für den Menschen. Besonders im Roten Meer haben sich in den letzten Jahren die Angriffe gehäuft, denn die Haie bleiben nicht auf freier See, sondern kommen immer näher. Die Schuld daran trägt der Mensch, der die Raubfische anfüttert.

Carcharhinus longimanus steht auf der Roten Liste

Im Jahr 2008 setzten die International Union for Conservation of Nature and Natural Resourcees den Weißspitzen-Hochseehai auf die Rote Liste der gefährdeten Arten. Die Haiart wird als „gefährdet“ eingestuft. Vor allem die Fischerei macht dem Hai zu schaffen. Die meisten Tiere lassen als Beifang ihr Leben. Sie verfangen sich in Schleppnetzen und Langleinen.

Weißspitzen-Hochseehaie werden aber auch für die Haifischflossensuppe gefangen. Dafür werden lediglich die Flossen entfernt und der restliche Kadaver entsorgt. Die großen Flossen des Raubfisches sind für die asiatische Delikatesse begehrt.

In manchen Gebieten wie im westlichen und nordwestlichen Atlantik gelten einzelne Populationen als vom Aussterben bedroht. Die Zahlen gingen von 1992 bis zum Jahr 2000 um über 70 Prozent zurück. Im Golf von Mexiko wurde der Rückgang von den 50er Jahren bis zu den 90er Jahren sogar mit 99,3 Prozent beziffert. Gehörte noch vor einigen Jahren der Weißspitzen-Hochseehai zu den häufigen Haiarten, ist er heute ein seltener Gast. Auf der Artenschutzkonferenz der CITES in Bangkok im Jahr 2013 wurde deshalb eine Regulierung des Handels mit Weißspitzen-Hochseehaien festgelegt. Die Reglung trat 2014 in Kraft.


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